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„Kein Vorbild für Afrika“ – Jubiläumsreihe zum Marshall-Plan endete mit Vortrag in Bad Homburg

Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947 e.V.Der Marshall-Plan zum Wiederaufbau Westeuropas nach dem Krieg kann heute nicht als Muster für die Entwicklung in anderen Teilen der Welt dienen: Das ist das Fazit eines Vortrags des Wirtschaftshistorikers Professor Dr. Werner Plumpe bei der George-Marshall-Gesellschaft. Nach Angaben von deren Vorsitzendem, Erster Kreisbeigeordneter Wolfgang Kollmeier, wurde mit dem Vortrag eine Reihe zum Inkrafttreten des amerikanischen Wiederaufbauprogramms vor 70 Jahren abgeschlossen. Bei Plumpes Vortrag in Bad Homburg kooperierte sie mit der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947 (WIPOG).

Gefördert wurde die regionale Reihe vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Zu dem Vortrag war ins Kolleg Humanwissenschaften eingeladen worden.
Der Marshall-Plan habe in den Nachkriegsjahrzehnten als „Ausweis von Humanität und Effizienz“ gegolten, erläuterte Plumpe. Er habe dazu beigetragen, die nach wie vor konkurrenzfähige deutsche Wirtschaft nach Kriegsende wieder auf den Weltmarkt zu bringen. Im Gegensatz zu anderen Staaten wurden Gelder aus dem Wiederaufbau in der Bundesrepublik nicht in den Konsum gesteckt, sondern in Investitionen gesteckt. Schon seit längerem wird diskutiert, ob der Marshall-Plan quasi als Generalrezept für internationale Aufbauprogramme dienen könnte, etwa für Osteuropa oder Afrika. Das aber lehnt der an der Frankfurter Goethe-Universität lehrende Wirtschaftswissenschaftler ab.

Diese Länder würden anders auf Impulse von außen reagieren als es damals die Bundesrepublik Deutschland getan habe. Zu befürchten sei, dass vieles nicht in Investitionen, sondern in den Konsum fließe oder in Korruption versickere. Zudem sei die Qualifikation der Arbeiter in der Bundesrepublik Deutschland höher gewesen, und es habe einen durchgreifenden Willen zur Leistung gegeben. Es gebe zwar auch in den Ländern Afrikas und Osteuropas leistungswillige und qualifizierte Kräfte; deren Entfaltung aber werde oft durch Systeme aus Korruption und Vetternwirtschaft blockiert. Ein Impuls von außen wie der Marshall-Plan sei kein Allheilmittel – entscheidend sei, was man daraus mache: „Der Aufholprozess ist vor allem Aufgabe der nationalen Volkswirtschaften“. Der Bad Homburger Oberbürgermeister Alexander Hetjes unterstrich bei der Veranstaltung, angesichts der derzeitigen Situation auf dem Kontinent sei es wichtig, sich an „die Anfänge Europas“ nach dem Krieg zu erinnern. Erster Kreisbeigeordneter Kollmeier meinte, der Marshall-Plan zeige, wie „ein Land, das einen Krieg gewinnt, den Verlierer als Freund gewinnt“. Gerade mit Blick auf die umstrittene Politik von Präsident Trump müsse man sich das ins Gedächtnis rufen.

Marshall-Center in Leesburg, Virginia. Hier verbrachte der US-Außenminister seine letzten Lebensjahre. Bild: MTK.

Die George-Marshall-Gesellschaft wurde auf Initiative des Main-Taunus-Kreises und seines damaligen Landrats Berthold Gall gegründet. Der Kreis hat mit Loudoun County bei Washington eine Partnerschaft geschlossen; dort verbrachte der Architekt des Wiederaufbauprogramms seine letzten Lebensjahre. Näheres gibt es auf der Internetseite www.george-marshall-gesellschaft.org. In der Reihe zum Marshall-Jahr waren bei Veranstaltungen im Main-Taunus-Kreis, in Frankfurt und Bad Homburg verschiedene Aspekte der transatlantischen Beziehungen erläutert worden: Von der Lebensleistung des Friedensnobelpreisträgers Marshall über die zeitgenössische Werbung für den Aufbauplan bis zu heutigen Schüleraustauschen und der heutigen Verwendung der Gelder aus dem Marshall-Plan durch die bundeseigene Kfw Bankengruppe.

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