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Ausgangslage: Kultur in Wiesbaden im 19. Jahrhundert

Die bildende Kunst hatte keinen leichten Start in Wiesbaden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte im neu gegründeten Herzogtum Nassau zunächst die Architektur den höchsten Stellenwert, da mit dem Ausbau der Stadt zur Residenzstadt und dem damit verbundenen Bevölkerungszuwachs eine Erhöhung der Gebäudeanzahl erforderlich wurde. Die Bevölkerungszahl in Wiesbaden war seit dem Regierungsantritt von Fürst Friedrich August im Jahr 1803 enorm gestiegen:[1]

  • 1799: 2.500
  • 1805: 3.000
  • 1814: 4.000
  • 1840: 12.000
  • 1865: 26.177

Wichtig war also zunächst eine architektonische Ausstattung der Stadt, um Raum für die Wohnung der Beamten sowie Repräsentationsräume für den herzoglichen Hof zu schaffen. Noch 1848 wird jedoch die Lage des Wiesbadener Kulturbetriebs, insbesondere was die Bildenden Künste anbelangt, als ungünstig eingeschätzt. Wiesbaden scheint in dieser Zeit keine geeigneten Künstler gehabt zu haben, die erforderlichen Architekten kamen von außerhalb. Gleiches gilt für die Baudekoration.[2]

Ein Artikel der Freien Zeitung aus dem Jahr 1848, der sich mit einer staatlichen finanziellen Unterstützung für das Wiesbadener Theater beschäftigt, begrüßt diesen Vorstoß, sich kommunalpolitisch für eine Kulturstadt Wiesbaden zu engagieren mit der folgenden Begründung: „Unser Theater ist das einzige Kunstinstitut, das wir pflegen können; wir können nicht Museen bauen, großartige Kunstsammlungen anlegen, Gemäldegallerien schaffen.“[3] Zwei Jahre später schreibt dieselbe Zeitung über die Kunst im Herzogtum Nassau, das zwar in der Architektur großartige Werke hervorgebracht habe, in der Malerei aber nicht gerade glänzen könne, wenn auch in den vergangenen Jahren das Interesse daran gewachsen zu sein scheint. Der Autor dieses Artikels führt dies u.a. auf die Gründung und die Arbeit der „Gesellschaft von Freunden bildender Kunst im Herzogthum Nassau“ zurück.[4]

Günther Kleineberg vermerkt dazu:

„Obwohl mit der Gründung des Nassauischen Kunstvereins 1847 in der Landeshauptstadt auch Initiativen bürgerlicher Förderung von jungen Künstlern aus Nassau aufflammten, waren die Ergebnisse doch nur sehr bescheiden. Gerade aus der Tatsache, dass die Gesellschaft sich aus Personen zusammensetzte, die große Bedeutung für das Kulturleben im Herzogtum Nassau besaßen, hätte man eigentlich mehr erwarten können. Immerhin zählten zu den Gründern überwiegend Maler: Baum aus Biebrich, Beyer aus Idstein, v. Bracht in Wiesbaden, Dieffenbach aus Hadamar, Jakobi, de Laspée, Lotichius, Müller aus Rüdesheim, die Portmanns, Scheuer, Wittemann aus Geisenheim.“[5]

Dies scheint in Wesentlichen auf die schlechte Finanzlage des Kunstvereins zurückzuführen zu sein, die sich erst besserte, als der Herzog von Nassau das Protektorat übernahm und die Mitglieder des Herzoglichen Hauses dem Verein beitraten. Gleichzeitig wurde dem Verein ein Zuschuss von 300 Gulden im Jahr zugebilligt. [6]

Erst in den 1850er Jahren erlangte die Bildende Kunst den Stellenwert im Herzogtum Nassau, der ihr die benötigten Geldmittel verschaffte. Bereits vorher jedoch gelangte das Herzogtum in den Besitz von Kunstwerken, die erste Schritte zu einer Ausstellungstätigkeit ermöglichten.


Anmerkungen

[1] Kleineberg, Günther: Skulptur, Malerei und Graphik im Herzogtum. In: Herzogtum Nassau 1806-1866, Katalog Museum, Wiesbaden 1981, S. 331-348, S. 336f.; die Zahlen für das gesamte Herzogtum : 1821: 361.787, 1865: 465.636

[2] Kleineberg, Günther: Skulptur, Malerei und Graphik im Herzogtum. In: Herzogtum Nassau 1806-1866, Katalog Museum, Wiesbaden 1981, S. 331-348, S. 331

[3] Freie Zeitung, No. 172, 31. August 1848

[4] Freie Zeitung, No. 149, 26. 06. 1850, S.2 und 3

[5] Kleineberg, Günther: Skulptur, Malerei und Graphik im Herzogtum. In: Herzogtum Nassau 1806-1866, Katalog Museum, Wiesbaden 1981, S. 331-348, S. 349f.

[6] Kleineberg, Günther: Skulptur, Malerei und Graphik im Herzogtum. In: Herzogtum Nassau 1806-1866, Katalog Museum, Wiesbaden 1981, S. 331-348, S. 349f.

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