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Pierre Bonnard und die Nazi-Kunsträuber

Odilon Redon: Zeichnung von Pierre Bonnard
Odilon Redon: Zeichnung von Pierre Bonnard (Bildquelle: Wikipedia )

Der französische Post-Impressionist Pierre Bonnard taucht immer wieder in meinen Recherchen bei NS-Raub- und Beutekunst auf. Dabei galt seine Malweise – wie die vieler anderer Künstler – als „entartet.“ Warum haben sich die nationalsozialistischen Kunsträuber für diese Werke interessiert?

„Nicht-Entartete Kunst“ für das Führermuseum

Die Datenbank zum Kunstraub durch den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg listet 75 Treffer für den Künstler Pierre Bonnard auf. Dabei war der ERR und die weiteren Kunstraubinstitutionen an Kunstwerken interessiert, die Eingang in Hitlers Führermuseum in Linz finden konnten. Meisterwerke aus der Renaissance, Barock oder dem 19. Jahrhundert stand weit höher im Kurs als die „modernen Wilden“, denen man im Reich den Kampf erklärt hatte. Und dennoch von den NS-Behörden bei den meist jüdischen Sammlern konfisziert. Warum?

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Bonnard, Pierre: Stilleben *

Begehrtes Tauschobjekt

Was den Kunstraubverantwortlichen durchaus bewusst war: Auch wenn Werke der Entarteten Kunst für sie wertlos war, so war sie das für anderen keineswegs. Vor allem diese Werke waren deshalb begehrte Tauschobjekte für die begehrten Stücke der alten Meister. Französische und deutsche Kunsthändler machten damals gute Geschäfte, wenn sie „neu gegen alt“ eintauschten. So tauschte etwa der deutsche Kunsthändler Gustav Rochlitz am 09.07.1941 (für die Göringsche Sammlung) mit dem ERR ein Werk eines unbekannten Norditalienischen Meisters aus dem 16. Jahrhundert gegen nicht weniger als 18 moderne Werke. Darunter befand sich auch ein Stilleben von Bonnard, das aber leider nicht weiter beschrieben wird.

Bei genau diesen Tauschobjekten kommt die Recherche zum Verbleib eines Kunstwerk oft ins Stocken. Zwar wissen wir mittlerweile recht viel über die beteiligten Kunsthändler, man kann auch einzelne Transaktionen belegen. Aber anhand der meist nur rudimentären Angaben („drei Landschaften von Picasso“) lässt sich das einzelne Objekt nur schwer zuordnen.

 

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*Anmerkung

Dieses Bild mag exemplarisch für viele weitere geraubte Kunstwerke durch den ERR stehen. Es handelt sich um ein Stilleben des Künstlers Pierre Bonnard, mit den Maßen 43 x 65 cm (Öl auf Leinwand). Es stammte ursprünglich aus der Sammlung des französischen Händlers Paul Rosenberg und wurde von der Deutschen Botschaft in Paris geraubt. Während der Besatzungszeit lagerte es im Jeu de Paume und war für einen Tausch gegen wertvollere Werke vorgesehen.  Im August 1944 war es für einen Transfer ins heute tschechische Nikolsburg vorgesehen, der Zug hat Paris aber nie verlassen. Danach verliert sich die Spur des Gemäldes.

 

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