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Neue Nutzung für alte Gebäude – der Ferdinandshof in Frankfurt an der Oder

Was tun mit alten Gemäuern?

Nicht selten finden sich, gerade in Deutschlands Osten, Gebäude, die einstmals prachtvoll ihren Zweck erfüllten, aber nun bereits seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten leer stehen. Diese Gebäude verfallen, und die kommunalen Verantwortlichen suchen nach neuen Nutzungsmöglichkeiten. Ein solches Gebäude ist der Ferdinandshof in der Universitätsstadt Frankfurt an der Oder.

Der Ferdinandshof mit seinem markanten Schornstein (Foto: M. Käferstein)
Der Ferdinandshof mit seinem markanten Schornstein (Foto: M. Käferstein)

Das Projektteam: Tanja Bernsau, Martin Käferstein, Friederike Dinse (Foto: M. Käferstein)
Das Projektteam: Tanja Bernsau, Martin Käferstein, Friederike Dinse (Foto: M. Käferstein)

Im Rahmen des Masterstudiengangs „Schutz Europäischer Kulturgüter“ an der Europa-Universität haben wir uns dieses Gebäudes angenommen und – gemeinsam mit Architektur-Studierende aus der benachbarten BTU Cottbus-Senftenberg – Ideen für eine mögliche Nachnutzung des historischen Brauerei entwickelt.

 

 

 

 

 

Das Projekt im Überblick

Das Projekt „Nachnutzung eines historischen Brauereikomplexes für studentisches Wohnen in Frankfurt (Oder)“ wurde durchgeführt im Rahmen des Masterstudiengangs „Schutz Europäischer Kulturgüter“ der Europa-Universität Viadrina (EUV) unter Leitung von Prof. Dr. Paul Zalewski
Februar 2015 – Februar 2016

Kooperationspartner

Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), Masterstudiengang Architektur unter Leitung von Prof. Markus Otto
Bauamt der Stadt Frankfurt (Oder), insbesondere Untere Denkmalschutzbehörde, Team Sanierung/ Stadterneuerung, Abteilung Stadtentwicklung/Stadtplanung

Ausgangssituation

Etwa 6.500 Studierende sind derzeit an der EUV eingeschrieben. Wohl nur etwa die Hälfte davon wohnt in Frankfurt. Die übrigen pendeln zum Vorlesungsbetrieb meist aus Berlin. Diejenigen, die in Frankfurt leben, wohnen häufig in einem Wohnheim am Rand der Stadt.
Gleichzeitig stehen bedeutende Baudenkmale in bester Lage leer, so zum Beispiel die ehemalige Braue-rei in der Gubener Straße 8-9a.

Projektziele

  • Anregung eines konstruktiven Dialogs zwischen der Stadt Frankfurt, der Universität, dem Denkmaleigentümer, dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, dem Studentenwerk, den Vertretern der Studierenden und anderer städtischer Akteure.
  • Gemeinsame Strategieentwicklung zur Steigerung des Zuzugs von Studierenden nach Frankfurt und in das Zentrum der Stadt.

Die Ergebnisse im Überblick

Studentisches Wohnen in Frankfurt/Słubice

Das Studentenwerk Frankfurt (Oder) verfügt über Zimmer für 1.418 Personen. Davon sind 1.100 am Rand der Stadt gelegen. Allein 560 Plätze liegen im Rückbaugebiet Neuberesinchen. Die betroffenen Wohnheime werden immer isolierter und haben mittelfristig keine Zukunft.

Die Stadt Frankfurt ist bestrebt, die Studierenden ins Zentrum der Stadt zu holen. So soll die Innenstadt belebt und das Miteinander von Studierenden und Bürgern der Stadt verbessert werden.

Ergebnisse der studentischen Befragung an der EUV

Etwa 57% der Befragten wohnen in Frankfurt. Im Fakultätsvergleich leben eher die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler in Frankfurt als die Kulturwissenschaftler. Wer im Zentrum von Frankfurt eine Unterkunft gefunden hat, ist deutlich zufriedener mit der eigenen Wohnsituation.

Die übrigen Befragten leben vorwiegend in Berlin, weil

  • sie dort bei ihren Eltern oder in einer Partnerschaft leben oder eine Wohngemeinschaft haben,
  • sie dort einer Beschäftigung nachgehen,
  • die Präsenzzeiten an der Universität gering sind und sich ein Umzug nicht lohnen würde,
  • sie in Frankfurt studentisches Leben, attraktive Angebote zum Ausgehen und zur Freizeitgestaltung vermissen.

Immerhin 20% der heutigen Pendler könnten sich einen Umzug nach Frankfurt/Słubice vorstellen und weitere 27% könnten sich dies „vielleicht“ vorstellen. Bedingung für einen Umzug wäre, dass die Stadt attraktiver wird mit

  • gutem und günstigen Wohnraum möglichst in Universitätsnähe,
  • einem größeren Angebot an Praktika, studentischen Nebentätigkeiten und langfristigen beruflichen Perspektiven,
  • einem breiten Angebot der Freizeitgestaltung,
  • mehr Studierenden und Professoren, die vor Ort leben,
  • einem regen studentischen bzw. universitären Leben, das sich durch vielfältige Angebote und Möglichkeiten auszeichnet,
  • einer angenehmen Atmosphäre in der Stadt.

Die ehemalige Brauerei Schindler in der Gubener Straße 8-9a

Der von uns „Ferdinandshof“ getaufte Komplex ist einer der ältesten erhaltenen Gewerbehöfe in Frankfurt. Er ist ein wichtiges Zeugnis der Industrie- und Baugeschichte der Gubener Vorstadt und prägt das Stadtbild.

Der Gewerbehof liegt auf halber Strecke des rund 12-minütigen Fußweges vom Bahnhof zur Universität. Täglich ziehen Scharen von pendelnden Studierenden daran vorbei.

Die Fabrikanlage wurde um 1850/60 ursprünglich als Weißbierbrauerei Ferdinand Schindler erbaut. Ab 1921 wurde das Gelände durch die Norddeutsche Bettfedernfabrik Siegfried Neumann genutzt und umgebaut. In der Reichspogromnacht am 9.11.1938 wurde Siegfried Neumann enteignet. Bis 1990 folgten verschiedene Nutzungen der Gebäude (u.a. Arzneimittelkontor, Spirituosenfabrik).

Seit 25 Jahren stehen die Gebäude leer und sind durch Verfall zunehmend in ihrem Bestand bedroht. In der 2. Jahreshälfte 2015 wurde der Verkauf an einen neuen Eigentümer eingeleitet.

Perspektiven

Der Ferdinandshof birgt großes Entwicklungspotential für eine gemischte Nutzung durch studentische und nichtstudentische Zielgruppen. Neben Wohn- und Büroräumen könnten hier Flächen für Gründungsaktivitäten und Einzelhandel sowie gastronomische Räumlichkeiten entstehen. Die weitere Entwicklung liegt in der Hand des neuen Eigentümers. Die Entwicklung des Ferdinandshof könnte ein Pilotprojekt für andere Objekte in Universitätsnähe darstellen.

Download der Studie auf der Website des Studiengangs „Schutz Europäischer Kulturgüter“
in der Rubrik „Aktuelles“ http://www.denkmalpflege-viadrina.de/

 

Ausblick

Unser Projekt schloss mit einer Präsentation des Projektes in FFO ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Ferdinandshof bereits einen neuen Eigentümer, der das Projekt vorantreibt. Somit freuen wir uns, wenn der Ferdinandshof einer neuen Nutzung entgegensehen kann.

 

Mehr Informationen über den Ferdinandshof

 

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