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Das Jüdische Museum Berlin restituiert Werk aus der Sammlung Rudolf Mosse

Restitutionsfall Rudolf Mosse (Jüdisches Museum Berlin)
»Das Gastmahl der Familie Mosse«, Anton von Werner, 1899, Öl auf Leinwand, 45 x 89,5 cm, Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Dass der heutige Besitzer von in der NS-Zeit geraubter Kunst gar nichts mehr mit dem Raub selbst zu tun haben muss, zeigt ein aktueller Restitutionsfall aus Berlin. Denn auch in einem jüdischen Museum können sich heute Kunstwerke befinden, die vor 1945 Eigentum jüdischer Sammler gewesen sind. Hier der Text der Pressemeldung des Jüdischen Museums Berlin: 

Anton von Werners Ölskizze »Das Gastmahl der Familie Mosse« aus dem Jahr 1899 wird vom Jüdischen Museum Berlin restituiert. Die Stiftung wird das Werk den Erben von Felicia Lachmann-Mosse übergeben. Seit 2015 untersucht das Jüdische Museum Berlin mit Mitteln des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste die Provenienzen seiner Kunstsammlung. Das Jüdische Museum Berlin und das Zentrum werden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien institutionell gefördert.

»Das Gastmahl der Familie Mosse« im Jüdischen Museum Berlin

Die Ölskizze ist eine Vorarbeit zu einem großformatigen Wandbild, das Rudolf Mosse, Verleger des »Berliner Tageblatts«, 1899 für den Speisesaal seines Palais am Leipziger Platz bei dem Maler Anton von Werner in Auftrag gegeben hat. Sie ist in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin im Segment »Bürgertum« im Rahmen der Präsentation von Familiengemälden zu sehen. Das Werk wurde 1990 vom Berlin Museum für die Abteilung Jüdisches Museum von der Berliner Galerie Tableau (Inh. Florian Seidel) erworben. Mit der Gründung des Jüdischen Museums Berlin ging die Ölskizze in die Sammlung der bundeseigenen Stiftung über.

Provenienzrecherche im Jüdischen Museum Berlin

Schon zum Zeitpunkt des Ankaufs im Jahr 1990 wurde Kontakt zum Sohn von Felicia Lachmann-Mosse, dem Historiker George L. Mosse, aufgenommen, um die Provenienz zu klären. Diese Anfragen blieben ergebnislos, ebenso wie die Recherchen in späteren Jahren.

Den Beleg für den verfolgungsbedingten Entzug hat das Jüdische Museum Berlin jetzt ermittelt: »Das Gastmahl der Familie Mosse« wurde der Familie Lachmann-Mosse im Zusammenhang mit den Zwangsauktionen der Kunstsammlung Rudolf Mosse im Jahr 1934 entzogen. Das entscheidende Dokument fand sich im Haberstock Archiv der Kunstsammlungen und Museen Augsburg.

Beleg für den verfolgungsbedingten Entzug

Im Vorfeld der Auktionen fertigte der Kunsthistoriker Hans Rosenhagen im August 1933 eine Liste mit Schätzpreisen der im Mosse-Palais am Leipziger Platz befindlichen Kunstsammlung Rudolf Mosse an. Die Ölskizze ist darin aufgeführt. Sie befand sich demnach zu einem Zeitpunkt im Palais, als die Familie Lachmann-Mosse bereits das Land verlassen hatte. Unabhängig von ihrem weiteren Verbleib konnte die Familie Lachmann-Mosse, die im März 1933 zunächst in die Schweiz und dann weiter nach Frankreich emigrierte, weder über die Ölskizze noch über den Erlös eines Verkaufs frei verfügen.

Auftragswerk von 1899: Familienporträt im Mosse-Palais

Zu Beginn des Jahres 1899 erteilte Rudolf Mosse dem Maler und Direktor der Preußischen Akademie der Künste, Anton von Werner, den Auftrag, ein großformatiges Bild von Familienangehörigen und Freunden in einer geselligen Situation anzufertigen. Das Bild war für den Speisesaal im ersten Obergeschoss des so genannten Mosse-Palais am Leipziger Platz vorgesehen. Es zeigt einen Großteil der zwölf Geschwister und andere Angehörige von Rudolf Mosse, aber auch zahlreiche politische Freunde des Verlegers wie die Reichstagsabgeordneten Albert Traeger und Albert Hänel sowie den Mediziner Rudolf Virchow. Nach Beendigung der Arbeiten an dem Gemälde im Dezember 1899 wurden nicht nur das Hauptwerk, sondern alle im Vorfeld angefertigten Skizzen an das Ehepaar Rudolf und Emilie Mosse abgegeben und an den Leipziger Platz gebracht. Das großformatige Bild wurde an die Stirnwand des Speisesaals montiert. Es gilt als kriegszerstört. Die kleinformatige Ölskizze hingegen wurde in der Treppenhalle im Erdgeschoss aufgehängt und scheint dort mindestens bis zum Sommer 1933 geblieben zu sein.

Mosse im Jüdischen Museum Berlin

Zwei wichtige Werke zur Geschichte der Familie Mosse verbleiben in der Sammlung des Jüdischen Museums Berlin: das »Porträt Rudolf Mosse« aus der Hand des Münchener Malers Franz von Lenbach und das Porträt seiner Ehefrau Emilie Mosse, eine weitere Skizze zu dem Wandbild von Anton von Werner. Beide Porträts kamen als Geschenke des amerikanischen Historikers und Enkels von Rudolf Mosse, George L. Mosse, ins Haus. Sie sind in der Dauerausstellung zu sehen. Im Segment »Moderne« der Dauerausstellung ist auch das Verlagshaus Mosse prominent präsentiert.

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